
01.04.2025
DGB-Besoldungsreport 2025: Hessen hinkt hinterher - gerade bei A9 ein Warnsignal
Der neue DGB-Besoldungsreport 2025 zeigt einmal mehr deutlich: Die Einkommensentwicklung im öffentlichen Dienst driftet weiter auseinander – und Hessen gerät zunehmend ins Hintertreffen. Besonders sichtbar wird dies bei der Besoldungsgruppe A9, dem Einstiegsamt für den gehobenen Dienst in der Polizei und vielen anderen sicherheitsrelevanten Bereichen.
In der Eingangsstufe der Besoldungsgruppe A9 liegt Hessen 2025 mit 40.492 Euro brutto jährlich lediglich im unteren Mittelfeld. Spitzenreiter sind Berlin mit 43.119 Euro und Bayern mit 43.079 Euro. Noch deutlicher wird die Schieflage, wenn man die unterschiedliche Wochenarbeitszeit berücksichtigt: In Hessen gilt weiterhin die 41-Stunden-Woche, während die Mehrheit der Bundesländer bei 40 Stunden liegt.
Rechnet man dies fair auf 40 Stunden herunter, fällt Hessen mit 39.505 Euro sogar auf Platz 15 im Ländervergleich zurück.
Lohnentwicklung: Hessen unter Durchschnitt
Auch bei der langfristigen Lohnentwicklung hinkt Hessen hinterher. Von 2008 bis 2025 stieg die Besoldung in der Endstufe der A9 in Hessen um 52,8 % – das liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 59,0 %. Zum Vergleich: Sachsen hat im gleichen Zeitraum ein Plus von 71,8 %, Berlin liegt bei 67,8 %. Während andere Bundesländer also gezielt investieren, um den öffentlichen Dienst zu stärken, bleibt Hessen im Schneckentempo.
Diese Entwicklung ist nicht nur eine statistische Randnotiz. Sie hat konkrete Folgen:
Der öffentliche Dienst in Hessen verliert an Attraktivität. Qualifizierter Nachwuchs für Polizei, Justiz und Verwaltung wandert in besser zahlende Bundesländer ab.
Die Kolleginnen und Kollegen, die bleiben, leisten mehr Arbeit für vergleichsweise weniger Geld – und das bei steigender Verantwortung und wachsender Belastung. Die Politik in Hessen verweist gern auf den eigenen Tarifvertrag (TV-H) als Stärke – doch der Report zeigt: Der Sonderweg wird zunehmend zur Sackgasse, weil das Besoldungsrecht nicht dem Tarifrecht folgt, wie sich zuletzt deutlich in der Verschiebung der Besoldungerhöhung zeigte.
Die Politik muss jetzt handeln!
Wir brauchen eine vollständige und zeitgleiche Übertragung der Tarifergebnisse auf die Beamtinnen und Beamten, eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit mindestens auf die 40 Stunden-Woche – als Zeichen der Wertschätzung und Maßnahme zur Gesundheitsvorsorge, eine besoldungspolitische Offensive, um den Rückstand zu den Spitzenländern aufzuholen und langfristig eine verfassungskonforme Alimentation und die Einführung eines Verbandsklagerechts, um strukturelle Ungleichbehandlungen juristisch besser angreifen zu können.
Weitere Informationen

Jens Mohrherr
Landesvorsitzender
Telefon 0151/29218934