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30.06.2024

Demokratische Polizeikultur braucht Vielfalt

AG Vielfalt

In der Gedenk- und Bildungsstätte im Haus der Wannsee-Konferenz in Berlin fand
im Mai die Tagung „Diskriminierung und rechtes Gedankengut in den
Sicherheitsorganen – Historische und aktuelle Perspektiven“ statt. Jana Herzog,
Tim Juraske (beide Niedersachsen) und Johannes Distler (Bayern) aus der AG
Vielfalt der Gewerkschaft der Polizei (GdP) nahmen daran teil.

Neben zwei Panels zu den Themenkomplexen „Betroffenenperspektiven und Handlungsoptionen in der historisch-politischen Vermittlung“ sowie „Demokratisches und antidemokratisches Handeln innerhalb der heutigen Sicherheitsorgane“ fand eine Podiumsdiskussion zum Thema „Sensibilisierung gegen Diskriminierung in Polizei und Bundeswehr“ mit hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern der Sicherheitsorgane statt.

Moderne Polizeiarbeit

Dort berichtete Tim Juraske von dem Engagement und den Ansätzen der AG Vielfalt. „Vielfalt ist einer der Schwerpunkte für eine moderne Polizeiarbeit, für ihr inneres Funktionieren und für ihre Außenwirkung“, betonte er. Es gelte, Vielfalt innerhalb und außerhalb der Polizei abzubilden, anzuerkennen und die darin liegende Potenziale wertzuschätzen und einzusetzen. Die Förderung von Vielfalt bedeute, nach Außen das Vertrauen der Bevölkerung in die Polizei zu stärken und zu bewahren. Dazu gehören insbesondere auch Menschen mit Behinderung und LSBTIQ*Personen. Ganz entscheidend sei auch, dass etwa 20 Prozent in Deutschland Menschen mit Migrationsbiografie sind.

 

Lebendige Polizeikultur stärken

Die AG Vielfalt erarbeite Wege, alle Personenkreise innerhalb der Polizei abzubilden, um diskriminierungsfreie Umfelder und Reflexionsräume für die Kolleginnen und Kollegen zu schaffen. Eine lebendige, demokratische Polizeikultur weiter zu stärken, sei das Ziel. „Was wir nicht wollen, ist, dass wir mit dem demografischen Wandel zu einer auch optisch von der Gesamtgesellschaft entkoppelten Organisation werden“, so Juraske.

 

Wertschätzung und Förderung

Die AG Vielfalt orientiert sich hierzu an der Charta der Vielfalt, welche 2006 unter der Schirmherrschaft der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Leben gerufen wurde. Ziel der Initiative ist es, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem alle Beschäftigten die gleiche Wertschätzung und Förderung erfahren. Es gelte nun, über die Gewerkschaft Strategien zu entwickeln und über Begegnungen Akzeptanz zu schaffen.

Bestehende Arbeitsgruppen wie beispielsweise die AG „Respect me, too“ der Frauengruppe der GdP zur Vorbeugung, Sensibilisierung und Bekämpfung von sexuellen Übergriffen im Dienst und Ehrenamt tragen bereits zu einem wertschätzenden Umfeld innerhalb der Polizei bei.

 

Demokratische Resilienz

Juraske betonte, dass die GdP Seminare zur Stärkung der demokratischen Resilienz anbiete, mit der Demokratieförderung Haltung zeige und damit Organisation stärke. Um Einzelfälle von beispielsweise Antisemitismus vorzubeugen, trage eine optimale Abbildung der Vielfalt in der Gesellschaft innerhalb der Polizei bei, auch dieses Problem zu lösen. Organisationen wie der Bundesverband RIAS e. V., welcher bundesweit antisemitische Vorfälle erfasst, seien wichtig, um im Dialog mit den Sicherheitsbehörden zudem Änderungen herbeizuführen. Juraske dankte den Veranstaltern für den Austausch mit den Teilnehmenden sowie den Sicherheitsbehörden. „Als Gewerkschaft haben wir ein großes Interesse daran, mit den anderen Organisationen in Kontakt zu bleiben“, verdeutlichte er.